Die Informatik wird weiblich!
Das Frauenpower-Programm WIT an der Technischen Universität Wien zeigt, wie man erfolgreich mehr Frauen ins IT Studium bringt. Nun wird es auf die gesamte TU ausgeweitet, Siemens-Österreich Chefin Brigitte Ederer begrüßt das Vorhaben.

(Wien 30.11.07) „WIT macht Mut zur Informatik. Durch die Vernetzung mit anderen Frauen bin ich in meiner Begeisterung für Technik total bestärkt worden“, sagt Birgit Korherr, aufstrebende Dissertantin für Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Wien. Allein wäre es ihr nicht so leicht gefallen, eine wissenschaftliche IT-Laufbahn einzuschlagen. Über WIT (Wissenschafterinnenkolleg Internettechnologien - Frauenförderungsprogramm mit dem Ziel, den Frauenanteil im IT-Bereich zu heben), bekam sie eine mehrjährige feste Anstellung und beste Betreuung für die Dissertation, nun wird sie in die Wirtschaft gehen.

Von der Schülerin bis zur Dissertantin
WIT, das ist Rückenstärkung für Frauen an der Fakultät für Informatik der TU Wien. Ein einzigartig erfolgreiches Pilotprojekt, das sich gleichermaßen an Schülerinnen, Studentinnen und Dissertantinnen wendet. WIT beseitigt Frauen-Barrieren vor, während und nach dem IT-Studium, durch eine ganze Armada an wohl durchdachten Maßnahmen: ADMINA.AT GOES SCHOOL holt Mädchen ab 10 in die Uni, um sie spielerisch für Technik zu interessieren. Im Rahmen von Workshops lernen sie, Computer zusammenzubauen. „Schülerinnen erleben, dass sie auch als Mädels sowas können“, sagt Admina.at Trainerin Birgit Korherr. Mit GITI („Girls IT Information“) erhalten Maturantinnen einen Tag lang die Gelegenheit, die Vielfalt der Informatik an der TU Wien kennenzulernen. Im Rahmen von BIG SISTER FIRST STEPS werden Studienanfängerinnen von Höhersemestrigen unterstützt. „An der TU herrscht ein sehr männlich geprägter Einzelkämpfer-Mythos, das entmutigt viele Studentinnen, die meist lieber gemeinschaftlich arbeiten“, so Brigitte Ratzer von der Koordinationsstelle für Frauenförderung und Gender Studies der TU. Gelegenheit dazu bieten die ADMINA.AT Linux- und Programmierkurse, die der fachlichen Fortbildung und der Vernetzung der IT Studentinnen dienen („Wenn kein Bursch dabei ist, traut man sich eher, „blöde“ Fragen zu stellen“). Das WIT KOLLOQUIUM veranstaltet Vorträge mit internationalen Größen aus Informatik und Wirtschaft. In Kürze werden im WIT-DISSERTATIONSPROGRAMM 8 Dissertantinnen ihr Doktorat erfolgreich beenden. Sie wurden fachlich wie auch in Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikation bestens geschult.

Mehr Frauen für eine Männerdomäne
Bloß 17% aller Informatik-Studierenden an der TU-Wien sind weiblich, die Drop-out Rate ist hoch, das Studium bezieht weibliche Forschungskulturen kaum ein. Frauen fällt es schwer, in die männlichen Netzwerke aufgenommen zu werden. Mit Mentoring und fixen Forschungsplätzen nur für Frauen baut WIT diese ungleichen Voraussetzungen ab, „nur so entsteht wahre Chancengleichheit“, sagt WIT-Leiterin Prof. Gerti Kappel, Informatikprofessorin und Studiendekanin für Wirtschaftsinformatik an der TU. Es geht um transparentere Zugänge zu Information, ganzheitliche Fragestellungen und familienfreundliche Arbeitszeiten. Fünf Jahre lang ist WIT nun gelaufen. „Unsere Studentinnen sind Forschungspersönlichkeiten geworden und haben beste Chancen in Wissenschaft und Wirtschaft Karriere zu machen“, freut sich WIT-Koordinatorin Ulrike Pastner, die auch die WIT-Events organisiert. „Das Kolloquium mit Google-Star Monika Henzinger zog mehr als 400 Gäste an. Das war ein schöner Erfolg.“

WIT geht weiter
Dass die IT-Welt weiblicher werden möge, fordert auch die Industrie: „Frauen sind teamfähig und machen Informatik-Programme benutzerfreundlicher. IT-Expertinnen sind gesucht und hochbezahlt“, sagt Brigitte Ederer, Siemens Österreich-Chefin sowie WIT Unterstützerin. So sieht es auch die TU Leitung, die das Projekt ab 2008 ausweiten wird: Nach fünfjähriger Erfolgsstory mit acht frisch gebackenen Doktorinnen, vernetzungsstarken Mentoringprojekten, spannenden Events und praxisnahen Fortbildungsangeboten werden ab nächstem Jahr vier TU-Fakultäten vom Frauenpower Programm profitieren: „WIT hat sich als ausgesprochen erfolgreiches Projekt zur Förderung von Frauen an der Fakultät für Informatik erwiesen“, so Dekan Gerald Steinhardt. „Es freut mich daher besonders, dass WIT nun in weiter entwickelter Form und mit der Beteilungen von vier Fakultäten an der gesamten TU Wien etabliert wird."

Montag, 3.Dezember 2007, 17h:
Abschlussveranstaltung:
Das war WIT – Eine Rückschau auf 5 ereignisreiche Jahre
Technische Universität Wien, Hauptgebäude
1040 Wien, Karlsplatz 13, Boecklsaal, 1.Stock
http://wit.tuwien.ac.at


Text und Fotos:
http://www.wit.at/presse/

WIT Team