Guckloch und turbulente Shrimps
Das öffentliche Kunstmauerprojekt in Wieden hat das Grätzel zum Dorf verdichtet und tritt nun in eine neue Phase mit aufregenden europäischen Neuzugängen.
(Wien am 11. 9. 2007) Was als Lokalinitiative engagierter GrätzelkünstlerInnen aus Wien Wieden begann, weitet sich zum europaweiten Projekt aus: KünstlerInnen aus Spanien, Griechenland und Rumänien werden ab 15. September den Aufsehen erregenden Bilderreigen erweitern, der seit einem Jahr an der Theresianum-Mauer prangt. Bisher waren es siebzehn Bildern und ein Guckloch, das als spannende "Kunst im öffentlichen Raum" seit einem Jahr die uniforme Mauer in der Argentinier Straße mit kreativer Strahlkraft ausstattete. Nun - im Rahmen der Europatage - wird das Kunstforum durch die Kooperation mit europäischen Botschaften, die hier im Bezirk ihren Sitz haben, ausgeweitet. Der Spanier José Millán Ruiz, der Grieche Kostas Termentzidis und die Rumänin Iona Cráciun-Dobrescu werden der Bilderreihe eine europäische Dimension hinzufügen. Weitere Highlights sind der österreichische Ausnahme-Künstler Wolfgang Tambour, der mit dem Kunstdruck "Turbulent Shrimps" an der Mauer vertreten ist, oder Buba Vidam, die eine aus dem Bild herausragende Sitzbank an der Mauer installiert hat, vor der sich nun bereits TouristInnen fotografieren lassen.
Aus Kampf wird Kunst
Entstanden ist die junge Kunstinitiative aus einem "Garagenkrieg": Einer BürgerInneninitiative war es gelungen war, am Elisabethplatz den Bau einer Volksgarage zu verhindern. Nach siegreichem Kampf waren die GrätzelbewohnerInnen zu einer weitläufigen Familie zusammengewachsen, die miteinander in Kontakt bleiben wollte. Es wurde beschlossen, die rückwärtige Mauer der Eliteschule Theresianum, an der bereits sichtlich der Zahn der Zeit genagt hatte, durch die Ausstattung mit Kunstwerken zu verjüngen. Das Theresianum erwies sich als äußerst kooperativ: "Zwar hat unsere Schule einen etwas konservativen Ruf, aber wir gehen immer gerne auf unkonventionelle Ideen ein", so Verwaltungsdirektor Martin Lochmann. Die neue Künstlergruppe formierte sich im Rahmen des weltweiten Nachhaltigkeitsprogrammes "Agenda 21" und gründete die "Agendagruppe St. Elisabeth Viertel". Unterstützt wird die KünstlerInnengruppe dabei durch das Agendabüro PlanSinn. "Die Kunstaktion an der Mauer hat das bisher schlummernde kreative Potenzial des Viertels zum Leben erweckt", freut sich Agendaträgerin Bettina Wanschura. Das Agendaprojekt wird nebst der finanziellen Unterstützung durch Bezirk und Wien-Kultur zu einem großen Teil vom ehrenamtlichen Engagement der Mitwirkenden getragen - im Falle dieses Kunstprojektes bedeutet das einen enormen Aufwand, viel Idealismus und Begeisterung für die Sache.
Das Hinterteil spähender Erwachsener
Die Schule willigte sogar in das "Guckloch-Kunstwerk" des Künstlers Florian Leibetseder ein, der ein Sichtfenster auf Kinder-Augenhöhe in die denkmalgeschützte Theresianum-Mauer bohrte. "A b'soffene G'schicht" sei diese Idee eigentlich gewesen, erinnert sich der Künstler, hingeworfen "unter dem Einfluss tschechischen Bieres", doch schließlich aufgegriffen und ausgeführt. Seitdem strecken neugierige Erwachsene ihr Hinterteil hinaus, um in das verborgene Gartenparadies im Theresianum zu blicken und so an jener tief liegenden Einsicht teilhaben zu können, "mitunter ein lustiger Anblick", so Künstler Leibetseder. Seit Entstehung des "Kunst.Projekt.Annäherung" vor einem Jahr hat sich viel Menschliches getan im Elisabethviertel: Die Grätzelkünstler und -künstlerinnen haben zueinander gefunden, es wurden Freundschaften geschlossen und berufliche Kooperationen gegründet. "Unsere Treffen sind impulsiv und laut, aber sie enden mit Konsens und Wille zum Weitermachen", beschreibt Malerin Daniela Latzko, deren Werk an der Mauer hängt, den Prozess. Auch neue Kunstprojekte sind entstanden: Im nahe befindlichen rumänischen Kulturinstitut wurden die vertonten Gedichte des Mauerkünstlers Franz Schwediauer uraufgeführt, andere haben Ateliergemeinschaften gegründet. Auch soll sich demnächst eine Kunstmeile vom Kunstmuseum Karlsplatz über das Belvedere bis zum Elisabethplatz hinauf schlängeln. "Ideen sind genug vorhanden, jetzt fehlt es noch an einer weiterreichenden Finanzierung", hofft Künstlerin Daniela Latzko. "Ich wünsche mir, dass das bürgerliche Elisabethviertel eine neue Kunstbewegung hervorbringt, es könnte zum Montmartre von Wien werden", träumt Antiquitätenhändler Zdeb vom Elisabethplatz.
Ankündigung:
Samstag, 15. September
15 Uhr am Elisabethplatz:
Grätzel-Führung mit Andreas Brunner
17.30 Uhr bei der Theresianum-Mauer (Argentinier Straße Höhe Plösslgasse)
Vernissage mit allen MauerkünstlerInnen und den europäischen TeilnehmerInnen:
Iona Cráciun-Dobrescu, Kostas Termentzidis, José Millán Ruiz.
Treff.Punkt.Mauer jeden 15. des Monats um 18.00 Uhr
Presse Bilder Download
(Copyright: PlanSinn. Abdruck honorarfrei.)
Künstlerin Daniela Latzko (li), Bettina Wanschura von PlanSinn (mi) auf Sitzbank der Künstlerin Buba Vidam

Das "Guckloch-Kunstwerk" des Künstlers Florian Leibetseder, ein Sichtfenster auf Kinder-Augenhöhe in die denkmalgeschützte Theresianum-Mauer. "A b'soffene G'schicht" sei diese Idee eigentlich gewesen, erinnert sich der Künstler, hingeworfen "unter dem Einfluss tschechischen Bieres", doch schließlich aufgegriffen und ausgeführt.
Was als Lokalinitiative engagierter GrätzelkünstlerInnen aus Wien Wieden begann, weitet sich zum europaweiten Projekt aus: KünstlerInnen aus Spanien, Griechenland und Rumänien werden ab 15. September den Aufsehen erregenden Bilderreigen erweitern, der seit einem Jahr an der Theresianum-Mauer prangt. Bisher waren es zwölf Bilder und ein Guckloch, das als spannende "Kunst im öffentlichen Raum" seit einem Jahr die uniforme Mauer in der Argentinier Straße mit kreativer Strahlkraft ausstattete.
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