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(Wien, 25.10.17, PUR) Eine prominente Expertin bestätigt nun die Mobbing-Vorwürfe einer Medizinerin der MedUni Wien. Die Vorgeschichte: Thoraxchirurgin Prof. E. war als eine der wenigen Frauen in dieser medizinischen Männerdomäne in ihrer Karriere zusehends beschränkt worden. Sie durfte nur mehr wenige untergeordnete Operationen durchführen und wurde zunehmend isoliert. Daraufhin leitete sie gerichtliche Schritte ein (Schadenersatz, Amtshaftung). Nach über fünf Prozessjahren und einer erdrückenden Beweislage zugunsten der Chirurgin wandten die beklagte Republik und die MedUni Wien 2015 plötzlich Verjährung der Vorfälle ein. Dieser Einwand wurde vom OLG Wien abgewiesen, nun wird weiterverhandelt. Beim aktuellen Prozess kam nun der Vertreter der Republik mit einem neuen Argument: Frau Prof. E.s Belastung sei nicht dem Mobbing, sondern dem Tod eines Familienangehörigen vor 41 (!)  Jahren geschuldet. Diesem an den Haaren herbeigezogenen Argument widersprachen jetzt mehrere Zeugen.

„Apparat versteht es, einzuschüchtern“

Die renommierte Psychotherapeutin, Juristin und Theologin Prof. Rotraud Perner (sie war selbst Gerichtssachverständige für Psychotherapie) wurde von Prof. E erstmals 2007 aufgesucht, weil sie sich in ihrer Arbeit benachteiligt fühlte und um ihre Karriere kämpfen wollte. Schon damals hatte Perner die Chirurgin gewarnt, „dass man versuchen könnte, sie zu pathologisieren”.  Perner beschrieb nun als Zeugin im Prozess, dass “der Apparat es verstehe, sie einzuschüchtern” und dass Frau Prof. E gehindert wurde, ihren Beruf auszuüben. Sie kritisierte auch eine MedUni-interne Mediation. Dort stand beispielsweise auf einem Flipchart, dass die Klägerin eine „Nörglerin“ sei. Mit dieser Art der Abwertung einer Betroffenen disqualifiziere sich jedoch das ganze Mediationsverfahren, so Perner: “Mediation darf keine psychische Diagnose stellen, sondern nur Konfliktlösung anbieten“. Die Psychotherapeutin erkennt in den von Prof. E geschilderten Vorgängen einen typischen Verlauf bei Mobbing: “Mehrere meiner gemobbten KlientInnen wurden mit erniedrigenden Aufgaben (so wie die Klägerin)  betraut”, so Perner. Prof. E. habe ihr damals bereits von Drohungen (“ich werde Dich vernichten”) berichtet. Die Schilderungen von Prof. E. seien aus Perners Sicht “glaubwürdig” gewesen. Sie hielt fest, dass bei Mobbinghandlungen kumulativ viele „Mikrotraumata zu einem Makrotrauma führen“.     

Experte: Krasser Fall von Mobbing

Im aktuellen Prozessverlauf bestätigten mehrere Zeugen - Ärzte, Therapeuten und Coaches - die Vorwürfe der Klägerin, nachdem sie von der Verschwiegenheitspflicht entbunden worden waren. Auch der Arzt Dr. K. bestätigte die Diagnose „Burnout infolge systematischen Mobbings“. Ebenso Mobbingexperte Dr. T., den die Klägerin aufgesucht hatte. Er beschreibt die Geschehnisse als „klassischen Mobbingfall. Ich habe öfters mit Fällen in Organisationen zu tun, aber so krasse Fälle gibt es nur an Universitäten bzw. in Krankenhäusern. Eindeutig wirkt sich das negativ auf die Gesundheit der Klägerin aus.“ Frau E. fordert Schadenersatz und Wiedereinsetzung in ihrem Beruf.

Anlaufstelle für Mobbing-Betroffene

Ob der großen Anzahl an Mobbing-Fällen an der MedUni Wien bzw. dem AKH wurde eine eigene Anlaufstelle gegründet: Die Interessensgemeinschaft „Faire Medizin“ ist eine unabhängige, überparteiliche Plattform und setzt sich für einen fairen Umgang zwischen allen im Spital tätigen Berufsgruppen und für einen respektvollen Umgang mit PatientInnen ein. Kontakt: Tel. 0677/617 58 149, office@faire-medizin.at

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