Feuerbrand: Erstmals hochwirksame Alternative zu Antibiotikum regulär zugelassen

(Wien, Tulln 6.4.09) Aufatmen für Obstbauern, Anrainer von Obstplantagen, Imker und KonsumentInnen. Ganz knapp vor der Apfelblüte erhalten die Obstbauern die biologische Alternative zum im Vorjahr gegen Feuerbrand eingesetzten Antibiotikum Streptomycin. Blossom Protect fb - ein von einem Tullner Jungunternehmen hergestelltes biologisches Pflanzenschutzmittel auf Hefe-Basis - wurde nun durch die österr. Behörden (Ages) regulär zugelassen. Es ist mit einem dem Antibiotikum vergleichbaren Wirkungsgrad, das erste hochwirksame, biologische Mittel gegen Feuerbrand, das innerhalb der EU eine reguläre Zulassung erhalten hat.

Streptomycin: Rückstände und Resistenzen
Ebenfalls wieder gegen Feuerband erlaubt - allerdings nur im Rahmen einer "Gefahr im Verzug-Zulassung" für 4 Monate wurde Streptomycin, ein Antibiotikum dessen Einsatz in der Landwirtschaft seit 2004 EU weit verboten ist. Umweltschützer und Imker kritisieren diese Vorgangsweise heftig und sprechen von einem rechtlichen Schlupfloch für ein Mittel das lt. WHO längst hätte aus dem Verkehr gezogen werden sollen. Die Streptomycin-Anwendung kann Kontaminationen in Honig und Obst verursachen (so geschehen im Vorjahr in Österreich, Deutschland und der Schweiz).

Weltweite Nachfrage
Univ. Prof. Herbert Danner, der Bio-Ferm und Hersteller von Blossom Protect: "Wir sind stolz, den behördlichen Hürdenlauf erfolgreich genommen zu haben, und jetzt nach vielen Nachweisen endlich das erste erwiesen hochwirksame, biologische Pflanzenschutzmittel gegen Feuerbrand erfolgreich zugelassen zu haben. Für Obstbauern ist es eine echte und daneben auch unbedenkliche Alternative. Und die Wirksamkeit ist in etlichen Studien und in der Praxis mit dem Antibiotikum vergleichbar." Während heuer in Österreich voraussichtlich nur ein paar hundert ha Obstbaumkulturen mit dem Hefe-Präparat behandelt werden, schwärmt Danner aber von den USA und China: Das sind sicher unsere Hauptmärkte. Aber auch in Osteuropa wird eine verantwortungsvolle naturnahe Obstproduktion immer stärker - Österreich ist da vom Absatzvolumen her, eher nur ein Nice to Have".
www.bio-ferm.com


Facts:
1. Blossom Protect fb:
Wurde mit 31.3.09 als erstes hochwirksames biologisches Mittel regulär in der EU gegen Feuerbrand zugelassen (Lt. §9, Pflanzenschutzmittelgesetz). Der Wirkungsgrad ist mit dem des Antibiotikums Streptomycin vergleichbar. Das Mittel macht sich die natürliche Konkurrenz um Nahrung und Platz auf den Apfelblüten zunutze: Die Mikroorganismen in Blossom Protect (zwei Stämme der Spezies Aureobasidium pullulans, ein hefeähnlicher Pilz) besiedeln den Blütenboden und verhindern das Eindringen des Feuerbranderregers in die Pflanze. Das Produkt muss während der Blüte ausgebracht werden. Hergestellt wird Blossom Protect vom Tullner Biotech-Unternehmen bio-ferm, das von Wissenschaftern der Wiener Universität für Bodenkultur gegründet wurde. Der Vertrieb des Produktes erfolgt über die - auf Nützlinge spezialisierte - Wiener Firma Biohelp (www.biohelp.at). Zuletzt wurde das Tullner Unternehmen mit dem niederösterreichischen Innovationspreis für seine Verdienste im biologischen Pflanzenschutz ausgezeichnet.

2. Streptomycin in der Medizin:
Erstmals am 19. Oktober 1943 isoliert, im Einsatz als wichtigstes Antibiotikum gegen Tuberkulose. Aufgrund seiner geringen therapeutischen Breite bei gleichzeitig rascher Resistenzentwicklung wird Streptomycin nur bei Tuberkulose und wenigen speziellen Infektionen verwendet. Es wird als Sulfatsalz in Form parenteraler Trockenpulverformulierungen angewendet. Bei längerer Einnahme können Schäden an Innenohr und den Nieren entstehen.

3. Streptomycin in der Landwirtschaft:
Seit 10.2.2004 in der gesamten EU verboten (Keine Aufnahme Positivliste RL 91/414/EWG). Ausnahmegenehmigung in Österreich durch so genannte Gefahr im Verzug-Zulassung
(§13, Pflanzenschutzmittelgesetz 1997) und in Deutschland(in B-W).